Mit Aggression richtig umgehen.   Um gut oder böse geht es nicht

Aggression, die Angriffslust, ist erst einmal nichts weiter als eine Strategie, um zu überleben. Eine Hündin, die nicht fähig zur Aggression ist, würde ihre Welpen nicht vor Feinden schützen, ein pazifistischer Wolf seine Beute den geiern überlassen - ja, er könnte nicht einmal ein Beutetier töten. Aggression wird also vom aggressiven Hund eingesetzt, um etwas zu erreichen oder zu verhindern. Aber warum sind Hunde dann unterschiedlich aggressiv? Warum duldet der eine, dass Fremde die Wohnung betreten, und der andere rastet bereits aus, wenn sich Unbekannte nur dem Gartentor nähern?

Zu den äußeren Gründen für Aggressivität kommen immer innere. Und die sind vielschichtig. Neben der Veranlagung des Hundes, seiner Erziehung und seiner Erfahrungen beeinflussen auch momentane Stimmungen sein Aggressionspotential. Hunger, Müdigkeit und Schmerzen machen nicht nur Hunde angriffslustig. Auch Verunsicherung und Frustration machen den Hund reizbarer. Und da sind Hunde nicht besser als wir Menschen, sie lassen ihre "miese Laune" auch an völlig Unschuldigen, vorzugsweise Schwächeren, aus.

 AGGRESSION UND BESCHWICHTIGUNG

Dabei ist beim gesunden Hund der tatsächliche Angriff die letzte und höchste Stufe der Aggression. Ihm gehen viele sich steigernde Signale voraus. Zwischen Hunden kommt es deshalb oft nicht zum Ernstkampf, weil der Gegner dem aggressiven Signalen ein beschwichtigendes entgegensetzt. Im Konfliktfall Mensch- Hund  sollte der "klügere " Mensch  den Ernstkampf vermeiden und das vorläufige NACHGEBEN nicht als Niederlage werten. Bei einem fremden Hund kann es schließlich gleichgültig sein, was er von einem "denkt".  Auch beim eignen Hund kann ein Zurückweichen in akuten Gefahrensituationen die richtige Entscheidung sein. Denn eines muss klar sein: Lässt man sich auf Konfrontation ein, muss man sich auch absolut sicher sein zu siegen! Ansonsten riskiert man nicht nur Verletzungen, man setzt aufs Spiel, dass der Hund den Respekt  und Vertrauen, die man bei ihm noch genießt, verliert.   Mit Gesten der Beschwichtigung kann der Mensch dem Hund signalisieren, dass er keine Kampf will : Augen senken, Kopf zur Seite drehen, sich kleiner machen ( durch Beugen des Rückens), langsam wenden und dem Hund ausweichen.  Wurde man vom eigenen Hund bedroht, kann man diese Aggression in Zukunft natürlich nicht tolerieren. Sie hat in der Regel eine lange Vorgeschichte von Missverständnissen zwischen Halter und Hund. Niemand sollte sich scheuen, in dieser Situation professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Der erste Weg sollte zum Tierarzt führen. Den neben den bereits erwähnten Schmerzen können auch Krankheiten die Ursache für das aggressive Verhalten des Hundes sein. Der Haustierarzt kennt oft auch Adressen von Verhalternstherapeuten in der Nähe. Ein Verhaltenstherapeut kann die Beziehung zwischen Halter und Hund objektiv  beurteilen und die Schwachstellen zielsicher aufspüren. Man selbst ist ja - nicht nur in der Beziehung zum Hund - oft blind für die eigenen Fehler.  In der Zeit, in der Sie nach dem richtigen Verhaltenstherapeuten  suchen, machen Sie den Hund klar, dass er von Ihnen abhängig ist. Meiden Sie die direkte Konfrontation, zeigen Sie ihm direkt, dass Sie der Boss  und er das "Würstchen" ist.

SCHLUSS  MIT LUSTIG 

Wenn er spazieren gehen will, lassen  Sie ihn warten - so lange, bis er aufgegeben hat und sich zurückzieht. Dann erst signalisieren sie ihm den Aufbruch. Aber lassen sie ihn nicht zur Tür heraus stürmen, sondern erst" SITZ"  machen, damit sie ihm in Ruhe die Leine anziehen können. Zieht er an der Leine, bleiben sie Stehen - mit 60 oder 70kg Lebendgewicht, die sich nicht von der Stelle rühren, hat auch ein Rottweiler Probleme. Fordert er zum Spiel auf, ignorieren sie ihn. Nur sie dürfen ein Spiele beginnen und beenden. Futter gibt es nur noch, wenn sie gnädig sind. Einige Trainer empfehlen, einen Hund der "aufmuckt" eine Zeitlang nur noch aus der Hand zu füttern, und zwar in kleinen Portionen nur dann wenn er sich gerade richtig verhalten hat. Also z.B. sich geduldig Halsband und Leine anlegen lässt.  Diese Tipps können und sollen Ihnen den Weg zum Fachmann nicht ersparen, denn sie sind zu  allgemein, um Ihre ganz besondere Beziehung zum ihrem Hund wieder ins Lot zu bringen

 

BABARA WELSCH     Partner Hund 10/2201

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