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Der dominante Hund  -ein ständiger Herausforderer

Johann Galant UH 2/98

Nicht jeder Hund wird ein Champion oder ein Leistungshund. Denn Mutter natur hat in jedem Wurf Welpen für unterschiedliche  Aufgaben vorgesehen, darunter auch einen späteren Rudelführer. Solche Hunde sind also etwas ganz normales, nur gibt es leider wenige Hundebesitzer, die solche Hunde gut ausbilden oder gut mit ihnen arbeiten können.

Hundeliebhaber kennen zumeist den Ausdruck Rudel oder Rudeltier und verwenden ihn in Zusammenhang mit hundlichen Verhalten. In vielen Jahren, in denen meine Frau und ich schon in Harmonie mit einem Rudel leben, versuchten wir, die tiefere Bedeutung des Begriffes Rudel zu verstehen. Außerdem wollten wir auch den Einfluss der Organisationsstruktur  "Rudel" auf seine Mitglieder  ergründen. Ob ich es will oder nicht, ich muss jedenfalls zugeben, dass das leben mit unseren Hunden unsere Lebenseinstellung und unsere Art zu leben positiv beeinflusst hat.

Ehrlicher Diktator

Ein richtiger Rudelführer ist ein ehrlicher Diktator und das ist genau die Art der Führung, die innerhalb einer sich abgeschlossenen Rudelstruktur die perfekte Harmonie garantiert. Jedes Einzeltier innerhalb der kleine Gruppe ist sich seiner genauen Position bewusst und erfüllt nach besten Kräften die ihm zukommende Aufgabe. All das ist das Resultat einer Hierarchie innerhalb der Gruppe.

AUSGESTOSSEN

Jedes Rudel lebt innerhalb seines Territoriums. Solange genug Platz vorhanden ist und die territorialen Grenzen respektiert werden, leben auch andere Rudel in direkt benachbarten Gebieten, ohne das Konflikte entstehen müssen. Jedoch wenn die Zahl der Tiere innerhalb des Rudels über ein bestimmtes Ausmaß hinaus zunimmt, kommt es zu Spannungen. Als Folge beginnender Rangeleien oder Angriffe wird dann ein Tier allein oder zusammen mit einem Parntner das Rudel und damit das bisherige Territorium verlassen, um später einmal selbst ein Rudel zu führen.

NAHRUNGSANGEBOT BESTIMMT RUDELGRÖSSE

Manchmal treten Spannungen auch aufgrund von Futterknappheit auf. Wenn es dann innerhalb des Rudels mehrere schwache oder kränklich Tiere gibt, werden diese - in Zeiten des Überflusses tolerierten - Mitglieder verjagt oder getötet, damit wieder  Gleichgewicht zwischen Rudelgröße und Nahrungsangebot eintritt.

HERDENINSTINKT

Um die Bedeutung des Begriffes klarer verstehen zu können, wollen wir es mit einer Herde vergleiche. Herdentiere leben in Gruppen zusammen. Ein Antilopenbock mit Herdenführerqualitäten kann leicht 50 Weibchen um sich scharren. In einer relativ kurzen Zeit hat er sie alle besprungen und jedes seiner weiblichen Herdentiere wirft ein einzelnes Antilopenlamm, das seinen genetischen Stempel trägt. Die Jungen sind sehr stark auf ihr Muttertier geprägt. Da alle Antilopenweibchen instinktiv ihrem Herdenleittier lammfromm folgen, kopieren ihre Jungen dieses Verhalten und tun das Gleiche. Ein Pflanzenfresser, der überleben will, kann dies nur innerhalb der Herde. In einer solchen Organisation besteht keine Notwendigkeit  einer individuellen Initiative.  Ganz im Gegenteil, der "Herdeninstinkt" lässt die Tiere ihrem Leittier folgen und sich ständig mit anderen Herdentieren zusammendrängen.

RUDELVERHALTEN

Dieses Herdenverhalten steht in starken Gegensatz zu dem, was innerhalb eines Rudels wilder CANIDEN (hundeartiger) passiert. In einem Rudel das stets kleiner ist als eine Herde, akzeptiert das sogenannte Alphaweibchen üblicher Weise ein dominantes Männchen als ihren Partner. Das heißt, im Rudel sind es bereits zwei Tiere, beide mit einem starken Charakter, die für die Fortpflanzung der Art verantwortlich sind. Da diese Art nur im Zusammenhang mit einem gut organisierten Jagdverband überleben kann, sorgt die natur dafür, dass das Alpha-Muttertier nicht nur einen einzigen Nachwuchs hervorbringt. Ihr Wurf besteht aus mehreren unterschiedlichen Individuen, von denen jedes Einzelne später eine spezifische Aufgabe im Jagdverband innehaben wird.

UNTERSCHIEDLICHE AUFGABEN

Die Vorgänger unserer Haushunde lebten also innerhalb einer gut organisierten Struktur, in der jedes Tier nach seinen entsprechenden genetischen Potential seine Aufgabe hatte. In einer derartigen Gruppe war daher prinzipiell kein Platz für Individuen mit abnormen Sozialverhalten oder psychopathologischen Tendenzen. In Zeiten des Überflusses wurden solche Tiere geduldet, wenn gleich sie niemals in den Fortefalzungsprozess involviert worden waren. Es ist äußerst wichtig zu verstehen, das alle Tiere innerhalb eines Rudels sich zweckdienlich verhalten und angemessen interagieren. Jedes hat seine ihm zukommende Rolle. Ein Rudel  ist ein "Jagdteam" und hängt daher völlig von einem exakten Teamwork ab. Es gibt den Kapitän, den Stürmer, den Mittelfeldspieler, die Verteidiger - und bei ausreichend Platz - und Nahrungsangebot - ein oder zwei Anhängsel ohne spezifische Funktion.

ZWANGSDECKUNGEN VERMEIDEN!!

Viele meiner kynologischen Kollegen winken mit ausgezeichneten Pedigrees und prallen Leistungsbüchern. Sie meinen,  wenn Rüde oder Hündin unter ihren Vorfahren viele Champions und hinter ihren Namen lange Listen an Leistungsnachweisen haben, würde die Kombination der beiden Tiere Nachkommen hervorbringen, die ganz automatisch potentielle Champions und exzellente Leistungshunde sein werden. Natürlich, der selektiv arbeitende Züchter will - so wie ja auch die Natur - immer sicher gehen, das nur physisch und mental gesunde Tiere in einem Zuchtprogramm zusammenkommen. Das Auswahlkriterium ist sehr einfach. Man muss sich nur die Frage stellen, ob die potentiellen Elterntiere auch in einem natürlichen Rudel eine Rolle in der Fortpflanzung spielen würden?  Wenn - bei aller Ehrlichkeit - die Antwort "JA "lautet, dann soll man es versuchen. Aber - wie ich schon in einem früheren Artikel  erklärt habe - niemals unter Zwangsausübung!  In anderen Worten, entscheiden sie sich niemals für eine Zwangsdeckung. Diese goldene Regel gilt nicht nur für die sogenannten Gebrauchshunde, sondern  auch für alle Nachkommen des WOLFES! Die negativen Auswirkungen einer Zwangsdeckung gehen über den individuellen Hund hinaus und schaden einer ganzen Rasse.

KEINE GARANTIE

Es läuft auf die Tatsache hinaus, dass wenn man Welpen mit einer ordentlichen Leistungsdisposition erhalten möchte, man natürlich Eltertiere mit derartigen Qualitäten verwenden muss. Aber vergessen sie nicht, dass Mutter natur , stets die Erhaltung der Art im Sinne habend, in jeden Wurf Mittelfeldspieler, Verteidiger sowie potentielle Rudelführer vorgesehen hat. Überlegen sie einmal die Anarchie, wenn im selben Wirf einer Alphawölfin acht potentielle Rudelführer wären. Ein ehrlicher Hundeliebhaber und Welpeninteressent, der sich bei einem ebenso ehrlichen Züchter für einen Welpen interessiert, mit dem er später "arbeiten" möchte und mit arbeit verstehe ich alles, vom Kaninchenteckel auf der Hasenfährte bis zum Rottweiler als Polizeihund - müssen wissen, dass niemand die Garantie für das gewünschte Ergebnis geben kann.

KEIN FERTIGPRODUKT

Der Züchter kann sagen: " Schau mein Freund, ich habe alles getan, was man von meiner Seite aus tun kann. Rüde und Hündin sind ordentliche Tiere mit exzellenten Wesen und besten Arbeitsqualitäten und ich habe die Welpen bestens aufgezogen und sozialisiert."     Dann aber ist es die Aufgabe dessen, der den Welpen erwirbt, dass sein Hund das innewohnende Potential unter des bestmöglichen Bedingungen entwickelt. Wenn nun der Welpenkäufer sich ein Tier ausgesucht aht, das in einem natürliche Rudel nur eine untergeordnete Rolle gespielt hätte - vor einem solchen Kaninchenteckel wären alle Hasen sicher....   Vergessen sie niemals das in jedem Rudel auch Positionen der zweiten und dritten zu besetzen sind.

Das bedeutet nicht, dass diese Hunde nutzlos wären. Da sie nicht mit einem hohen Treibniveau geboren wurden, waren sie eben in der Natur dafür vorgesehen eine besonders aktive Rolle im Rudel zu spielen. Und trotzdem können sie ideale Begleithunde und Gefährten des Menschen sein.

RUDELFÜHRER QUALITÄTEN

Ich meine das Fronspieler am besten dafür geeignet sind, unter der Kontrolle des Menschen zu arbeiten. Vergessen sie nicht, dass ein potentieller Rudelführer genetisch dazu vorprogrammiert ist, genau diese Rolle zu spielen. Ein solcher Hund ist eine ständige Herausforderung. Hundebesitzer, die solche Hunde, seien es Rüden oder Hündinnen, gut ausbilden können, sind extrem selten. Solche Hunde tanzen normalerweise nicht nach der Pfeife eines anderen. Sie können mir glauben, dass zahlreiche Haushalte sogar von CHIHUAHUAS oder Miniatur Pinschern mit Rudelführerqualitäten terrorisiert werden.

STÄNDIGER HERAUSFORDERER

Eine bestandene Begleithundeprüfung ist nicht genug, damit ein geborener Rudelführer nach ihrer Pfeife tanzt. Ein solcher Hund kann in seinem Erwachsenenalter (ca. 3Jahre) nicht ihrer Dominanz ausweichen, indem er ihr Territorium verlässt, um ein eigenes Rudel zu gründen. Er wird sie daher sein ganzes L eben lang ununterbrochen herausfordern. Dazu ist er von Mutter Natur programmiert und sie müssen ihn nehmen wie er ist.

 

Buchtipp:
In diesem Buch finden Sie alles was sie über die Erziehung Ihres Hundes wissen sollten. Das Buch ist sehr empfehlenswert und sollte von jedem Hundebesitzer, egal ob Rassehund oder Mix, gelesen werden, da Sie dort sehr viel über das Verhalten des Hundes erfahren!

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